Unterschiedlicher könnten die Meinungen kaum sein. Während gestern Javier Loizaga, Präsident des europäischen Beteiligungsverbands EVCA mit einem deutlich positiven Statement zu Private Equity „kein Limit für Wachstum“ den Weg in die Wirtschaftspresse schaffte, darf der geneigte Leser heute bei Reuters „Experten erwarten Zunahme fauler Kredite durch Private Equity“ lesen.
Loizaga ist als Präsident des Beteiligungsverbandes ein Lobbyist. Als solcher darf ihm sicherlich eine gewisse Voreingenommenheit unterstellt werden. Welche Experten sind es, die mehr oder weniger zeitgleich eine solch konträre Meinung vertreten?
Erstaunlicherweise kommt die kritische Nachricht aus einer ähnlichen Umgebung, nämlich von Roman Zeller, Geschäftsführer Deutschland von AlixPartners. AlixPartners gehört nach eigenen Angaben international zu den Experten für Turnarounds und Ertragssteigerungsprogramme, was vom Grundprinzip einen ähnlichen Mehrwert für Geldgeber bedeutet wie das Private Equity Geschäft selbst.
Als problematisch sieht Zeller die steigenden Investitionssummern, welche von Private Equity Gesellschaften aufgebracht werden und häufig in größerem Umfang über Fremdkapital gedeckt werden. Dieses Fremdkapital vor allem durch langfristige Kredite und Anleihen am Markt eingeworben, birgt immer das Risiko eines Zahlungsausfalls für den Fall, dass sich die von den Private Equity Gesellschaften übernommenen Unternehmen nicht wie gewünscht positiv entwickeln, oder den übernommenen Unternehmen gar Kunden oder Geschäftspartner verloren gehen, die für den Unternehmenserfolg maßgeblich sind.
Vor diesem Hintergrund rechnet Zeller für die kommenden beiden Jahre mit einem Volumen von bis zu 30 Milliarden Euro an Distressed Depts, also Krediten, welche nicht in vollem Umfang bedient werden können.
Welche dieser Einschätzungen näher an der Realität ist, wird nur die Zukunft zeigen können – steigende Kosten für Zinsen werden Optimierungsbedarf innerhalb der von Private Equity Gesellschaften übernommenen Unternehmen sicherlich verschärfen, wie weit sich hier weitere Einsparungspotentiale ergeben können bleibt abzuwarten.
Anleger in diesem Bereich sollten sich bewusst sein, dass es sich hier um Risikokapital handelt, welches trotz sehr guter Erfolge in der Vergangenheit nicht zu gesicherten Einkünften in der Zukunft führen muss.
Der positive Ausblick der Branche ist dennoch nicht ganz unbegründet, große Übernahmekandidaten gibt es nach wie vor – nicht zuletzt die Deutsche Telekom wird immer mal wieder in solchen Szenarien als potentieller Kandidat gehandelt. Nicht erst seit dem Einstieg der Private Equity Gesellschaft Blackstone Group.

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