Fast täglich werden Statistiken veröffentlicht, die die Stimmungslage der Anleger einschätzen helfen sollen. Selten können allerdings binnen nur eines Tages zwei derart konträre Meinungsbilder aufeinander treffen.
Zur Mitte des Tages wurde der geneigte Leser diverser Medien von der Nachricht überrascht, dass die Anleger die zukünftige Entwicklung des Marktes als deutlich positiv einschätzen. Positiver, als es der analytisch denke Statistiker als positiv vermutet hatte. Nur wenige Stunden später überraschen sehr ähnliche Medien mit der Meldung Warum laufen die Aktionäre weg?“.
Verantwortlich für diese Überschrift ist mehr oder weniger neben den Redakteuren der ARD eine Veröffentlichung des Deutschen Aktieninstituts (DAI), welches einen rapiden Schwund an Aktionären verzeichnet. Einer Studie zufolge sind fast eine Millionen Anleger in den ersten 6 Monaten des Jahres ausgestiegen. Die Zahl der Aktionäre und Fondsbesitzer sinkt demnach auf 9,9 Millionen, was gleichzeitig den stärksten Rückgang seit 2001 bedeutet.
Was dramatisch klingt ist volkswirtschaftlich gesehen vielleicht gar nicht so schlimm. Viele Anleger haben Gewinne mitgenommen und parken zurzeit einen größeren Teil ihres Vermögens auf Tagesgeldkonten angesichts nunmehr 3% Zinsen kein allzu schlechtes Geschäft solange die Märkte derart volatil sind. Nebenbei sind Privatanleger auch eher nicht Kurs entscheidend für einen oder mehrere Aktienindices. Erst wenn die Entscheider der Fondsgesellschaften den Daumen senken, wird sich aus einem volatilen Markt ein fallender entwickeln. Negative Einschätzungen sind allerdings bisher eher die Ausnahme als die Regel.
Institutionelle, wie auch private Anleger schauen allerdings mit Besorgnis auf die Geschehnisse im Nahen Osten und bewerten mögliche Pipeline Stilllegungen wie zuletzt in Alaska als äußerst kritisch, da es den Ölpreis und damit auch die Energie und Produktionskosten weiter verteuern wird.
Private Anleger legen offensichtlich nur eine Anlagepause ein und warten bis der Markt sich wieder in einen Aufwärtstrend begeben wird solange die Bewertungen auf einem solch moderaten Niveau wie aktuell stagnieren und sich selbst kritische Geister sicher sind, dass das Niveau noch nicht gefährlich ist, darf man sich sicherlich auf einen Herbst Aufschwung an den Börsen freuen. Dann wird aus Tagesgeld sicherlich auch wieder Fonds- und Aktienvermögen. Die klaren Gewinner dieser Tradingstrategie dürften auch ausgemacht sein, irgendein Geldinstitut muss die Orders jedenfalls annehmen, eine der deutschen Börsen wird sie sicherlich ausführen.

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