Länderratings spielen für jedes Land eine große Rolle. Durch sie wird zum Beispiel entschieden, zu welchen Konditionen das jeweilige Land seine Schulden am Finanzmarkt refinanzieren kann. Dies kann sich schnell zu einem Kreislauf entwickeln, denn: wird ein Land aufgrund seiner schlechten finanziellen Lage in seiner Kreditwürdigkeit herabgestuft, hat das zur Folge, dass die Refinanzierung mit höheren Kosten verbunden ist. Daraus resultiert eine noch schlechtere Bonität, was wiederum zu einer erneuten Herabstufung führen kann.

Um die Schuldenkrise nicht weiter zu verschärfen und die Finanzhilfen von Außerhalb zu minimieren, spricht sich Michel Barnier, EU-Binnenmarktkommissar, gegen ein Länderrating in ungünstigen Zeiten aus. Die Wertpapieraufsicht ESMA (European Securities and Markets Authority) soll das Recht erhalten die Veröffentlichung von Ratings der Staaten, die sich in der Verhandlung um Finanzhilfen befinden, zu untersagen. Den Rating Agenturen wird zudem immer häufiger vorgeworfen, die Lage der jeweiligen Länder nicht immer richtig zu bewerten und somit die Euro-Schuldenkrise weiter heranzutreiben.

Michel Barnier plant eine generelle Verbesserung des Ratings für Staatsanleihen. Ratingagenturen sollen nicht mehr alle 12 Monate, sondern alle sechs Monate ihre Bewertungen überprüfen. Auch die Transparenz der Datenbasis wurde bemängelt und soll verbessert werden.
Ob und wann das Europäische Parlament und die Mitgliedstaaten den Änderungen zustimmen, ist abzuwarten. Der Vorschlag für die Reform des Gesetzes soll laut Barnier bis November vorliegen.

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