Da braucht ein Aktienindex wie der DAX Jahre um sich Punkt um Punkt hin die Höhe zu kämpfen und dann kommen irgendwann immer wieder Wochen wie diese. Im gefühlten Zustand des freien Falls beendet der Deutsche Aktienindex die Woche auf einem Niveau von 4.544 Punkten, einem Endstand, der seit 2005 nicht mehr die Kurstafel zierte. Hypothekenkrise, Bankenkrise, Verstaatlichung von Banken, ein einzelnes dieser Schlagworte ist für gewöhnlich ausreichend um Anleger in die Flucht zu schlagen, drei dieser Szenarien binnen einer Woche versetzen Anleger wie Investoren in Schockstarre.
Auch Autohersteller wie Opel oder VW können sich der Situation nicht entziehen, kurzerhand werden komplette Werke einfach stillgelegt, es ist, als hätte jemand die internationale Wirtschaft aus Ortsgeschwindigkeit auf Stillstand gestellt. Banken belauern einander, Kunden boykottieren Geschäfte, Industrie und Handel verschieben Investitionen und provozieren damit die wirtschaftliche Vollbremsung der Investitionsgüter Industrie.
So nachvollziehbar alle diese Reaktionen sind, so furchtbar werden die gesellschaftlichen Konsequenzen sein, wenn nicht bald wieder rationales Handeln und Vernunft in den Markt zurückkehrt. Aktuell fühlen schon Kunden der Kaupthing Bank welche Konsequenzen die Verwerfungen auf dem internationalen Finanzsektor haben, sie sitzen zu Hause am PC vor verschlossenen Online Konten und bangen um ihre Einlagen. Dabei haben sie nichts falsch gemacht, sie wählten eine der führenden skandinavischen Banken und vertrauten auf einen Einlagensicherunsgfonds. Wer konnte ahnen, dass ein komplettes Land den Bankrott erklären muss? Glück für die Bundesregierung, dass Kaupthing keine Filialen in Deutschland besitzt vor der sich Schlangen von Kunden bilden konnten, die ihre Einlage abheben wollen und nicht können.
Dies hätte einen weiteren großen Schritt in Richtung Banken-Run geführt – dem dann vermutlichen Endpunkt des freien Bankenstandorts Deutschland. Eine Verstaatlichung der Banken, ein nach wie vor nicht auszuschließendes Szenario, wäre in greifbare Nähe gerückt. So verurteilt man Kaupthing Kunden als gierige Deppen und hofft so von der prekären Situation abzulenken, in der man sich tatsächlich befindet.
Jetzt bleiben Finanzwirtschaft und Politik zwei Tage Zeit Lösungen zu finden, die den weiteren Verfall der internationalen Aktienindices für Montag stoppen können. Welche das sein könnten? Wir wissen es auch nicht.

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