Diese Rubrik „Befremdliches“ ist in der letzten Zeit gar stiefmütterlich behandelt worden. Es gab, das muss einfach mal gesagt werden, wenige Dinge, die es Wert gewesen wären hier aufgenommen zu werden – und wenn es gab, dann fand sich zeitgleich Wichtigeres und bekam den Vorzug.
Die Helden, der Übertreibung, der Provokation, eben die Personen der Öffentlichkeit, die diese tiefgelbe Rubrik mit teilweise höchst polemischem Inhalt erst ermöglicht haben, diese Helden sind müde geworden. Fast scheint es als würden sich diverse PDS.DieLinke.Grünen Politiker auf ihr wohlverdientes Altenteil zurückziehen wollen. Dass dies noch nicht soweit sein könnte mag durch deren Abwesenheit in der STERN Rubrik „Was macht eigentlich … „ bewiesen sein. So wussten zum Beispiel weder Herr Lafontaine noch Mistreiter Gysi an dieser Stelle in Abstand zu einem früheren, bewegten, Leben zu berichten.
Bevor die Polemik überhand nimmt – es gibt sie doch noch die Unterschiede der Wahrnehmung. Beinahe zeitgleich, ob gewollt oder nicht, wurden zwei Fakten von unterschiedlichen Stellen der volkswirtschaftlichen Betrachtung veröffentlicht.
Während das Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) zu der Erkenntnis gelangt, dass die Löhne einfacher und mittlerer Arbeitsverhältnisse immer weiter auseinander driften (Lohnspreizung), veröffentlichen die Gewerkschafter der IG Metall Ihre Forderung nach 6,5% Lohnsteigerung für die laufenden Tarifverhandlungen. Viel wichtiger als die absolute Höhe, oder auch die Bemessung der potentiellen Lohnsteigerungen erscheinen aber die Gründe, die für die eine, oder andere Sichtweise führen.
Das DIW stellt in einem eher nüchternen Tonfall fest, dass in Deutschland nicht nur bei niedrigen Löhnen im unteren Bereich der wenig qualifizierten Beschäftigungsverhältnisse (Geringqualifizierten), sondern auch bei Personen mit mittlerer Qualifikation eine überdurchschnittliche Erwerbslosenquote – im europäischen Vergleich – vorzufinden ist, was nach Ansicht des DIW auf ein „generelles Beschäftigungsproblem, das nur durch ein höheres gesamtwirtschaftliches Wachstum deutlich gemildert werden kann“ zurückzuführen ist.
Angesichts dieser fast wissenschaftlichen Betrachtung muss die Frage nach der Bemessung einer Lohnerhöhung, bzw. deren Sinnhaftigkeit insgesamt sicherlich gestellt werden dürfen. Nur für den Fall, dass eine Gewerkschaft wie z.B. die IG Metall tatsächlich versuchen würde nicht nur der eigenen Klientel, sondern auch den vielen anderen Beschäftigten und Beschäftigung Suchenden einen Gefallen tun wollte, könnte aus dieser mageren DIW Feststellung tatsächlich ein richtungweisender Abschluss im Sinne der Volkswirtschaft Deutschland erfolgen.
Wie so etwas aussehen könnte? Ja! Zu Lohnerhöhungen als Inflationsausgleich – zusätzlich die Verpflichtung Überstunden abzubauen und stattdessen Neueinstellungen vorzunehmen. Das hilft der Volkswirtschaft, denn es stärkt durch eine breitere Basis tatsächlich die oft beschworene Binnennachfrage, verringert die Zahl der Arbeitslosen, vergrößert den finanziellen Handlungsspielraum der Bundesregierung, ermöglicht die bessere finanzielle Ausstattung von Schulen und anderen Bildungseinrichtungen, schafft Platz für Infrastrukturmaßnahmen und ermöglicht dem beginnenden Binnenaufschwung die Dynamik dauerhaft auf festere Füße zu stellen.
Alles Spinnerei? Mag sein, aber ohne Visionen keine Ideen, ohne Ideen keine Innovationen. Wer immer nur die eigene Klientel bedient wird auf Dauer die Akzeptanz verlieren.

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