Die Auslagerung der Telekom Dienstleistungssparte scheint vorerst in geordneten Verhältnissen abzulaufen. Ein „echter Kompromiss“, so wurde es von ver.di wie auch von Deutscher Telekom verbreitet, sei gefunden. Alle Beteiligten haben hart mit sich und der unangenehmen Realität gerungen. Herausgekommen ist scheinbar wirklich ein Kompromiss, der für die Deutsche Telekom einen ersten Schritt in Richtung Zukunft bedeuten kann und für ver.di das Schreckgespenst Private Equity Investor –auch wahlweise Heuschrecke oder  Beteiligungsgesellschaft genannt – zunächst vertrieben hat.
Aber ist das wirklich gelungen? Sind Private Equity Gesellschaften nicht bereits in größerem Umfang auch in Deutschland tätig und kann der Einfluß nicht auch positiv sein?
Ein kurzer Blick in die Tagespresse lässt Erstaunliches erahnen. Da wäre die zweitgrößte deutsche Lebensmittel-Einzelhandelskette Rewe, welche scheinbar heftig von US-Finanzinvestor KKR umworben wird. Angepeilter Verkaufspreis „irgendwas oberhalb einer Milliarde“. Nebenbei liest sich, dass der britische Finanzinvestor Terra Firma die Bonner Autobahn-Raststättenkette Tank & Rast für ca. 2,5 Mrd. Euro veräußern möchte und eine Gruppe von Hedge-Fonds um Cheyne Capital aus London und Cyrus Capital aus New York den insolventen Möbelhersteller Schieder übernehmen könnte, bevor dieser mangels frischem Kapital seine Geschäftstätigkeit komplett einstellen muss.
Gehört Private Equity die Zukunft? Ist fremd finanzieren, umstrukturieren und weiterveräußern das Geschäftsmodell der Zukunft? Kann der Telekom Service Bereich tatsächlich auch über die Bindungsfrist 2012 hinaus innerhalb des Konzerns eingegliedert bleiben? Wäre es nicht vielleicht mittel- bis langfristig bessere Alternative gewesen diese Sparte auszugliedern, das Unternehmen insgesamt wieder „fit“ zu machen und dadurch weitere Arbeitsplätze in den anderen Sparten zu erhalten.

Ist solch ein Gedankengang überhaupt mit unserem Bild einer modernen Arbeitsgesellschaft vereinbar? Wir es zukünftig egal sein für welchen Finanzinvestor man grade arbeitet, da die Inhaber und somit auch ein teil der Kultur eines Unternehmens ohnehin alle paar Jahre wechselt?
Nachdem die ersten Auswirkungen der Globalisierung den deutschen Arbeitsmarkt durchgerüttelt haben und traditionelle Verkrustungen langsam aufweichen (z.B. Kündigungsschutz) scheint jetzt der Angriff auf die nächste deutsche Arbeitnehmer Selbstverständlichkeit gestartet zu sein – Unternehmen werden zu Handelsobjekten, was das Identifizieren mit dem eigenen Arbeitgeber deutlich erschwert, die Treue der „Mannschaft“ lässt nach, der Wunsch nach einer leistungsgerechten Bezahlung nicht. Unternehmen werden sich also in deutlich größerem Maße um die guten und sehr guten Mitarbeiter kümmern müssen, wenn sie weiterhin erfolgreich agieren wollen. Beginnen also Arbeitnehmer mehr als bislang diesen Trend nachzuvollziehen und wechseln tatsächlich von Zeit zu Zeit auch das berufliche Umfeld, könnte sich auch Arbeitsanschauung einer ganzen Nation wandeln. Statt blockierende Angststarre im angesichts möglicher Veränderungen, könnte sich dann Interesse an Veränderungen positiv für Psyche und Einkommen auswirken.

0 0 0 0 0