Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Leitzins im Euro-Raum am gestrigen Donnerstag wie erwartet um 50 Basispunkte auf 1,5 Prozent gesenkt. Dies ist die Reaktion des EZB-Präsidenten Jean-Claude Trichet auf die aktuelle Finanzkrise. Durch die Senkung des Leitzinses soll die Wirtschaft im Euro-Raum angekurbelt werden.
Niedrigster Wert seit Bestehen der Währungsunion
Mit der aktuellen Zinssenkung setzt die EZB ihre Politik der kontinuierlichen Leitzinssenkung fort. Noch im Juni 2000 hatte der Leitzins bei 4,25 Prozent gelegen. Und sogar im Oktober vergangenen Jahres betrug er noch 3,75 Prozent. Seitdem kannte er nur noch eine Richtung. So führte Chef-Notenbanker Trichet in kurzer Zeit weitere Zinssenkungen auf nunmehr 1,5 Prozent durch. Dennoch hat sich die Rezession im Euro-Raum seitdem nicht verbessert. Mit der aktuellen Zinssenkung erreicht der Leitzins den niedrigsten Wert in der Geschichte der Währungsunion seit ihrer Gründung 1999.
Durch günstiges Geld Wirtschaft ankurbeln
Als Reaktion auf gesunkene Inflationsraten und die abgeschwächte Wirtschaft in den letzten Monaten versucht die EZB, mit einem niedrigeren Leitzins die Kaufkraft zu stimulieren. Die Idee dahinter: Durch die Senkung des Leitzinses wird die Geldbeschaffung für Banken bei der Zentralbank billiger. Diesen Vorteil sollen die Kreditinstitute in Form von günstigeren Krediten an Unternehmen und Privatpersonen weitergeben. Und das wiederum soll die Investitionen und den privaten Konsum ankurbeln, was letztendlich der Wirtschaft zu gute käme.
Andere Länder ziehen mit: So hat auch die Bank of England ihren Zinssatz um 50 Basispunkte auf 0,5 Prozent gesenkt. In den USA beträgt der Leitzins bereits null Prozent. Hier sind nun andere Maßnahmen erforderlich, um die Wirtschaft weiter anzukurbeln.
Weitere Lockerung der Geldpolitik zu erwarten
Nach Einschätzung vieler Experten ist mit der aktuellen Leitzinssenkung noch nicht Schluss. So erwarten sie eine weitere Senkung des EZB Leitzinses um 50 Basispunkte bis zum Sommer dieses Jahres.
Bislang hat sich die Rezession im Euro-Raum trotz gesunkener Leitzinsen nicht verbessert. Mögliche Ursache dafür ist, dass die Zinssenkungen der vergangenen Monate von den Banken nicht in vollem Umfang an den Kunden weiter gegeben wurden. Inwieweit sich die erneute Senkung des Leitzinses stimulierend auf die Kaufkraft auswirkt, wird sich in den nächsten Monaten zeigen.

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