Hedge-Fonds umstritten? Schon. Während die Branche sich in Deutschland immer noch sehr intensiv darum bemüht einen sprichwörtlichen „Fuß“ auf die „Erde“ zu bekommen, wird vor allem in den deutschen Medien bereits das Ende der Hedge-Fonds Hochzeit vorweg genommen.
Überschriften der letzten Tage wie „Katerstimmung bei Hedge-Fonds“ (Handelsblatt), „Zahl der neuen Hedge-Fonds sinkt“ (Der Fonds) oder auch „Große internationale Pensions-Kassen setzten weiter auf Hedgefonds“ (BörseGo) verdeutlichen nur eines: Es gibt einen Trend, aber die Interpretationen dieses Trends sind durchaus recht unterschiedlich.
Bei näherer Betrachtung erscheinen die plakativen Titel in Kombination allerdings doch dasselbe Hedge-Fonds Ziel zu beschreiben. Die Branche wird erwachsen – oder anders ausgedrückt: Der Markt der Hedge-Fonds geht von einer Wachstumsphase in eine Selektionsphase über. Die Katerstimmung des Handelsblatt Beitrags beruht auf der Schließung von rund 1.000 Hedge-Fonds binnen der letzten 24 Monate. Gleichzeitig sind aber mehr als 2.500 neue Hedge-Fonds auf dem Markt etabliert worden, was den Handlungsspielraum für die bestehende wie neuen Anbieter deutlich verringert. Effizienz und Sachkenntnis wird auch hier zu einem immer stärkeren Maße entscheidend über den Erfolg in der Vergleichszielgruppe.
Demzufolge ist es nur eine natürliche Reaktion des Marktes, dass sich die Zahl der neuen Hedge-Fonds wie von Der Fonds bemerkt, verringert. Jeder neue Fonds benötigt Kapital, auch Anleger wie z.B. die US Amerikanischen Pensionskassen verfügen zwar über eine große Kapitalbasis, aber auch hier sind Grenzen gesetzt. Gerade kleinere Hedge-Fonds, welche sich gegen Mitbewerber durchsetzen möchten, werden mit anderen Attributen punkten müssen, als dies die etablierten Anbieter können. Als ein erstes Anzeichen dieser Entwicklung darf das erste offizielle Hedge-Fonds Rating durch eine anerkannte Rating Agentur gelten. Wer kleine und große Anleger beeindrucken möchte, muss entweder über außergewöhnlich erfolgreiches Personal verfügen oder aber mit ausreichender Transparenz die eigene strategische Methode verständlich machen können.
Im Zuge dieser Wandlung zu mehr Offenheit werden Anleger auch in den nächsten Monaten und Jahren immer mal wieder mit spektakulären Rückschlägen einzelner Hedge-Fonds konfrontiert werden, tatsächlich besteht diese Risiko allerdings vielen Geldanlagen, wie Besitzer von Schwellenländerbonds oder Emerging Market Fonds sicherlich aus eigener Erfahrung berichten können.
Jede Form des Wachstums bedarf eines gewissen Risikos und bietet eben auch Chancen. Nicht umsonst zieren manchen Hedge-Fonds Prospekt Risikohinweise in medikamentösen Ausmaßen. Es wird sicherlich noch ein paar Jahre dauern, bis sich die Branche mit offener Kommunikation und stabilem Risikomanagement abgefunden hat, dann wird es spätestens Zeit für eine neue Finanzinnovation – rechtzeitig bevor die große Langeweile ausbricht und den politischen Verantwortlichen die Schuldigen ausgehen.

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