Würden die Vorgänge bei Fidelity Investments, Kronberg am Taunus, in den Fachjargon des Fußballsports übertragen, so müsste man von einer ausgewachsenen sportlichen Krise sprechen in dessen Folge erst der Kapitän auf die Bank verbannt und nun der Trainer beurlaubt wurde.
Die Performance des Fidelity Flaggschiffs Fidelity European Growth Fund hatte bereits während des Jahres 2006 deutlich an Dynamik verloren. In der Folge wurde der verantwortliche Fondsmanager, Graham Clapp, kurzfristig zum Jahresende durch den jüngeren Alexander Scurlock ersetzt. Die von Fidelity als positives Signal gemeinte Neubesetzung scheint bei vielen Anlegern allerdings Irritationen ausgelöst zu haben. Der anhaltende Schwund des Fondsvermögens konnte scheinbar auch durch diese Personalentscheidung nicht gestoppt werden. Im Gegenteil, es ist davon auszugehen, dass Fidelity Fonds in den Monaten September bis Dezember rund zwei Milliarden Euro Anlagekapital deutscher Anleger verloren hat.
Das Vertrauen in den Personalwechsel und in den Fidelity European Growth scheint erschüttert. Vielleicht ist dies der Grund, der Fidelity Geschäftsführer Deutschland und Österreich, Klaus-Jürgen Baum heute von seiner Tätigkeit beruflichen Tätigkeit befreit hat. Es gab, so konnte man vernehmen deutliche Meinungsunterschiede zwischen Baum und der Fondsgesellschaft Fidelity, die eine weitere Zusammenarbeit unmöglich gemacht haben.
Der Nachfolger Baums ist bereits in der Person von Alfred Strebel bereits zur Stelle. Strebel hatte zuletzt bei Fidelity in Zürich die Schweizer Landesgesellschaft geleitet und wird nun unverzüglich den Chefposten übernehmen.
Die Fidelity Krise ist umso erstaunlicher, vor dem Hintergrund der großen Beliebtheit des Fidelity European Growth Fund vor allem bei deutschen Anlegern. Rund 1 Mio. deutscher Fondsanleger sollen Anteile des Fonds erworben haben – noch Ende September hatte die Deutsche Fidelity Dependance die Spitzenposition der Feri-Rangliste eingenommen und war für die überzeugende Investmentleistung ausgezeichnet worden.
Der Gründe für die aktuellen Schwierigkeiten erscheinen als ein Problem des zu großen Erfolgs. Durch die starke Nachfrage nach Fondsanteilen hatte der Fidelity European Growth Fund teilweise über mehr als 20 Mrd. Euro Anlagevolumen verfügt, was die Anlagestrategie verwässert und die Wertentwicklung gebremst hat. Durch die Schwerfälligkeit des Fonds ist aus dem Überflieger-Fonds ein „normaler“ Fonds geworden und somit das Hauptverkaufsobjekt „Bester Europa Fonds“ weggefallen. Die Anleger strafen mit „Liebensentzug“ und shiften Vermögen um.
Es bleibt abzuwarten ob Alfred Strebel die Situation bald in den griff bekommt, oder der Aderlass weitergeht. Für Anleger die überlegen ob sie ihr Geld ebenfalls abziehen bleibt nur zu sagen: Ein geschrumpfter Fidelity European Growth Fund (ISIN LU0048578792) wird sicherlich schneller zu alter Stärke zurückfinden, jegliche Form der Panik ist also fehl am Platz.

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