Hätten wir die WM nicht, müsste man sie erfinden. Oder am Besten jedes Jahr eine Veranstalten. Oder zumindest in jeder Legislaturperiode eine.
Je näher das Ende der Fußball Weltmeisterschaft im eigenen Land rückt, desto zügiger klappt auch das Steuerreform Doppelpass Spiel zwischen Rot und Schwarz. Grün und Gelb kommen aus dem Staunen nicht mehr raus und mit dem Protestieren kaum noch nach. 
Gerade noch prägt Guido Westerwelle den „Kassensozialismus“ und vertritt lautstark seinen Punkt zu Gesundheitsreform, da wird schon der nächste Reformpunkt gezielt beschleunigt. Getarnt als Unternehmenssteuerreform und versteckt in dem Begriff „Abgeltungssteuer“ geht es der Verrechnung von Spekulationsverlusten an den Kragen.
Wer bislang Gewinne und Verluste aus Geldgeschäften miteinander verrechnet hatte, der wird jetzt pauschal mit 25% seines Gewinns zum Volkswohlstand beitragen dürfen. Bei der Veräußerung der Wertpapiere muss das Finanzinstitut bereits prüfen ob ein Gewinn angefallen ist und in welcher Höhe. Die anfallenden 25% Gewinnsteuerschuld sind dann direkt an das Finanzamt abzuführen.
Aus Bankenkreisen wird diese Änderung begrüßt, das bisherige Kontenabfrageprinzip wird dadurch nahezu überflüssig, auch müssen keine weiteren Jahresendaufstellungen in großem Umfang mehr erstellt werden. Dieser Beitrag zum Bürokratieabbau stand – so sieht es aus – schon lange auf der Wunschliste der Finanzinstitute.
Gerechter ist diese Vorgehensweise auf jeden Fall. Während bisher nur Ehrliche in Genuss von Steuerzahlungen kamen, wird an dieser Stelle jeder zur Kasse gebeten – Für Anleger stellen sich an dieser Stelle naturgemäß noch einige andere Fragen: Was passiert mit Kapitalauszahlungen aus länger laufenden Sparverträgen – aus Unternehmensbeteiligungen wie z.B. geschlossenen Fonds, was ist mit Verlusten?
Die Antworten scheinen schnell auffindbar zu sein, das Kabinett will den Beschluss pro Abgeltungssteuer bereits nächste Woche fassen. Pünktlich zum WM Finale.
Da bleibt nur zu hoffen, dass der kollektive Frohsinn noch ein paar Tage für Ablenkung sorgt – die Bundesregierung unterstützt von Landesregierungen (Einführung Studiengebühren) hat wirklich alles getan um die Nation direkt wieder in den alten Trübsal verfallen zu lassen.
Aber vielleicht hat das internationale Großereignis ja doch etwas verändert in Deutschland: Erstmal locker machen, abwarten und nicht alles bierernst nehmen – und wenns nicht gleich optimal läuft, dann eben das Beste daraus machen.
Wie das geht zeigen uns ja die Klinsmänner

0 0 0 0 0