Die Wahlschlacht in den USANur eines ist bislang sicher, der 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika wird am 8. November gewählt und unterschiedlicher könnten die Kandidaten nicht sein. Der Wahlkampf bleibt spannend und geht mit der heutigen TV-Debatte zwischen Hillary Clinton und Donald Trump in eine weitere Runde. Die beiden Präsidentschaftskandidaten stehen sich zum zweiten mal in einer direkten TV-Debatte gegenüber.
Nach der Auftaktveranstaltung in New York ist der Schauplatz diesmal die Washington University in St. Louis im Bundesstaat Missouri. Hillary Clinton ging laut Umfragen als Siegerin aus der ersten Debatte hervor, allerdings ist diese Ansicht ebenso umstritten wie die Kandidaten unterschiedlich. Die Rollenverteilung und Strategie blieb von beiden Seiten bislang unverändert, Clinton gibt sich souverän und Trump ist der Showman den seine Wähler sehen wollen. Skandale gab es auf beiden Seiten, doch diese hatten bislang keinen der Kandidaten vom Kurs abbringen können. Es ist noch alles offen.

Die Kandidaten könnten nicht unterschiedlicher sein
Im direkten Vergleich mag Donald Trump vielen Beobachtern unsouverän erscheinen, sobald er nicht über geschäftliche Erfolge prahlen kann, werden seine Antworten unsicher. So hat er in der letzten Debatte beispielsweise die Frage eines Journalisten nach Internetsicherheit mit einer Geschichte seines 10-jährigen Sohnes beantwortet, der sich bestens mit Computern auskenne. Doch genau das ist auch seine Stärke. Donald Trump schafft es, sich als Showman zu inszenieren und erreicht damit viele amerikanische Wähler in ihrer Politikverdrossenheit. Frei nach dem Motto „auch schlechte publicity ist publicity“ schafft es Trump in aller Munde zu bleiben und die Schlagzeilen zu beherrschen.
In den letzten Wochen sind seine Steuererklärungen und die daraus vermutlich resultierende Erkenntnis, dass er in den letzten 18 Jahren keine Bundessteuern mehr gezahlt hat, thematisiert worden. Auch seine frauenfeindlichen Äußerungen in den vergangen Jahren werden immer wieder vom Wahlkampfteam der Demokraten angeführt. Mittlerweile wäre es vermessen nur vom Wahlkampf zu sprechen, es ist eher eine Wahlschlacht.
Die Republikaner, die hinter Donald Trump stehen, erklären auch moralische Steuersünden mit dem „American way of Life“. Er ist gestrauchelt aber wieder aufgestanden. Allerdings ist das nun von der „Washington Post“ vorgestellte Videointerview aus dem Jahr 2005 selbst für Trumps Anhänger starker Tobak. Die Äußerungen sind so anzüglich frauenfeindlich, dass man sich kaum traut diese in schriftlicher Form zu wiederholen. Top Republikaner wie Paul Ryan distanzieren sich deutlich von Donald Trumps Aussagen in dem Videointerview. Donald Trump hingegen geht neue Wege, er entschuldigt sich (!) und bereut öffentlich die getätigten Aussagen.
Mit derselben Leidenschaft dürften nun vom republikanischen Wahlkampfteam die sexuellen Skandale des Ex-Präsidenten Clinton aufgewärmt werden, nicht ohne Hillary eine Mittäterin zu nennen. Die erst durch ihr Schweigen die Skandale ermöglicht habe. Nach wie vor ist auch der E-Mail Skandal in Ihrer Zeit als Außenministerin als Angriffsfläche geeignet. Bei der Befragung zu dem Vorgang und dem Aufarbeiten der relevanten Nachrichten war Hillary Clinton nicht sonderlich kooperativ. Sie dachte, „es wäre nicht so ein großes Ding“.

Heutiges TV Duell
So wird die heutige Debatte wieder mit einem starken Donald Trump beginnen. Auch das vergangene Duell hatte Trump dominierend eröffnet, musste diese Führung dann aber nach dem ersten Drittel einbüßen. Hillary Clinton spielt hier die Erfahrung als Außenministerin und ihre langjährige Karriere in der Politik in die Hände. Sie lässt sich vom temperamentvollen Donald Trump nicht aus der Linie bringen und begegnet direkten Provokationen mit einem gekonnt schlichtenden Lächeln. Es bleibt abzuwarten, wann Sie den „lucky punch“ ansetzt und Donald Trump mit seinen Aussagen aus dem Videointerview so provoziert, dass er den Schalter umlegt und seinem Temperament freien Lauf lässt.

Die Auswirkungen an den Finanzmärkten
Egal wie die Wahl ausgeht, die Auswirkungen an den Finanzmärkten dürften deutlich spürbar werden. Bei einem Wahlsieg der als Wallstreet freundlichen geltenden Demokratin wird kurzfristig ein Kursanstieg zu erwarten sein, oder eben einen regelrechten Schock bei einem Sieg des Republikaners Donald Trump. Es wird ein spannender November.

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