Die überraschende Erklärung der Commerzbank von Ende Juni 2012, keine Schiffe mehr zu finanzieren, hat der deutschen Schifffahrt sowie Schiffsfondsinitiatoren einen weiteren harten Schlag versetzt, war die Commerzbank, neben der HSH Nordbank, einer der größten hiesigen Schiffsfinanzierer. Konnte die Großbank nach jüngsten Medienberichten zumindest für ihre in dieser Sparte beschäftigten Mitarbeiter das Ruder noch einmal herumreißen und von Entlassungen absehen, bangt eine gesamte Branche weiter. Indes hielten sich Reeder und Initiatoren nicht mit langem Zaudern auf, sondern suchten neue Wege, um die fehlende Finanzierungsquelle auszugleichen.

Hermann Ebel, Vorstandsvorsitzender des Emissionshauses Hansa Treuhand Holding, plädierte für eine Abwrackprämie für ältere Schiffe. Soll heißen, dass die Verschrottung von alten Schiffen steuerlich gefördert wird. Ebel verspricht sich einen großen ökologischen und ökonomischen Effekt davon. Einigkeit herrscht unter den Schiffsfonds-Initiatoren jedenfalls darüber, dass eine langfristige und nachhaltige Marktstabilisierung nur mithilfe des Engagements institutioneller Investoren zu erreichen ist. Aus diesem Grund feilen sie an attraktiven Konzepten, um die Institutionellen mit ins Boot zu holen. So hat beispielsweise das Hamburger Unternehmen NOG Northern Invest ein neues Modell entwickelt, mit dem sich Überbrückungsfinanzierungen mit Beteiligung von institutionellen Investoren umsetzen lassen sollen.

Letztere sollen demnach über eine Unternehmensanleihe mit fünfjähriger Laufzeit „working-capital“ zur Verfügung stellen, um eine sofortige Veräußerung der Schiffe vermeiden zu können. Dies ist aufgrund von aktuellen Tiefstpreisen am Markt alles andere als wünschenswert. Das Konzept der NOG könnte der gesamten Branche neue Impulse geben und verfügt über das Potential, akute Liquiditätsengpässe zu dämpfen, allerdings ist das grundsätzliche Finanzierungsproblem damit bei weitem nicht gelöst. Über den Erfolg des Lösungsansatzes ist bisher allerdings nichts bekannt. Ralf Nagel, Chef des Hamburger Verbands Deutscher Reeder (VDR), ist es Wartens überdrüssig.

Im Rahmen des 16. Harener Seeschiffahrtstages im Emsland forderte er mit Nachdruck ein Engagement der KfW. Die Veranstaltung stand unter dem Motto „Deutsche Reeder in akuter Seenot“. Sogar Bundeswirtschaftsminister Dr. Philipp Rösler war extra aus Berlin angereist, um den Commerzbank-Rückzug zu kritisieren, hielt sich allerdings bedeckt, was ein mögliches Eingreifen des Staates angeht.

Aus diesem Grund erhöht der VDR den Druck auf Hans-Joachim Otto, dem maritimen Koordinator der Bundesregierung, mit einem Thesenpapier, das bereits drei konkrete Vorschläge zu einer Einbindung der KfW enthält. Nagel fordert noch in diesem Jahr eine politische Grundsatzentscheidung von der Bundesregierung.

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