Gründungskapital oder besser: Kapital für Gründer ist eine heikle Sache. Die Risiken sind meist wenig überschaubar, die Unternehmensprognosen der meisten Start-Ups machen Ihrem Namen in vergleichender Form alle Ehre (Prognose = Orakel, Prophezeiung). Die Erinnerung an 1999/2000 treibt immer noch dem einen oder anderen Geldgeber die Farbe aus oder die Zornesröte in das Gesicht.
Trotz aller negativen Erfahrung und der selbst auferlegten Beschränkung namens Basel II gibt es vermehrtes Interesse daran Unternehmensgründungen zu unterstützen. Einer der Gründe mag in den steigenden Preisen für Unternehmens Übernahmen in diversen Wirtschaftssektoren zu sehen sein. Vielleicht sind auch potentielle Investoren durch die zuletzt wirtschaftlich erfolgreichen Private Equity Gesellschaften (Heuschrecken) wieder auf den Geschmack gekommen. Vielleicht versuchen auch Konzerne wie Bertelsmann einfach nur einen Ausweg aus der Misere Web 2.0 zu finden. Kleine Unternehmen sind schneller in der Reaktion, schlanker in der Struktur und finden und verfolgen lukrative Trends der jungen und internetaffinen Generation deutlich sicherer als die großen.
Der Medienkonzern Bertelsmann hat dieser eigenen Schwäche nun Rechnung getragen und beginnt 6 Jahre nach Napster wieder mit Investitionen und StartUps. Der als Bertelsmann Digital Media Investments gestartete Venture Kapital Fonds wurde mit einem Kapital von 50 Millionen Euro ausgestattet und soll „den direkten Zugang zu neuen Technologien und Innovationen im Bereich digitaler Medien zu sichern“.
Ob und wie der Venture Capital Fonds, welcher aus Luxemburg heraus tätigt werden wird Minderheitsbeteiligungen an Start-up-Unternehmen erwerben wird ist noch nicht bekannt, eines aber ist sicher: Mut zum Risiko ist wieder sichtbar vorhanden. Wir wünschen Bertelsmann an dieser Stelle mehr Geschick bei der Auswahl und Kapital ausschließlich für Gründer mit bislang unbekannten medialen Visionen.

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