SPD-Chef Kurt Beck wird zum Förderer der Anlageklasse Investmentfonds. Das ist löblich, dient sein Vorschlag nicht nur der Profilierung dieser Branche, sondern auch der Sparförderung der Bürger. Die Frage, die sich der geneigte Leser angesichts des Beck’schen Vorschlags stellt ist allerdings: Warum machen die das so kompliziert?
Der Kern des Vorschlags sieht ein finanzielles Engagement der deutschen Arbeitnehmer in die Deutsche Wirtschaft vor. Dadurch soll eine indirekte Beteiligung der Bevölkerung entstehen, die zwecks Steigerung der Attraktivität auch noch staatlich gefördert wird. Genauer gesagt, die Mitarbeiter der Betriebe erwerben Fondsanteile, der Fonds stellt die dadurch vorhandenen finanziellen Mittel als Kapital für die Betriebe zur Verfügung. Erträge plus Tilgung und Rückzahlung werden an die Fondsbesitzer, d.h. die Arbeitnehmer als Gewinne ausgeschüttet.
Abgesehen von Umsetzung als bürokratisches Wunderwerk hat die Idee hat auf den ersten Blick Charme – Arbeitnehmer beteiligen sich an Ihren Unternehmen und können dadurch bedingt Einfluss auf deren Entscheidungen nehmen.
Beispielhaft zwei Varianten: Nimmt ein Unternehmen Kapital auf um damit Investitionen in neue Anlagen zu tätigen, die den Produktionsprozess verschlanken und möglicherweise die Arbeitsplätze der Anteileigner kosten würde, könnte dies durch die Kapital gebenden Arbeitnehmer verhindert werden. Oder aber: Dieser Beteiligungsfonds fördert Innovationen die Arbeitsplätze kosten um die Anlageziele der Anteilseigner (der Arbeitnehmer) zu erreichen und baut im Zuge dessen deren Arbeitsplätze mit ab. Der Aufschrei wäre je nach Richtung „Innovationsverhinderung“ oder „Arbeitsplatzvernichtung durch Deutschlandfonds“ sicherlich groß.
Davon ungeachtet könnte auch auf europäischer Ebene dieser neue rein deutsche Beteiligungsfonds auf Missfallen stoßen. Wieso dürfen Arbeitnehmer nur in Deutsche Unternehmen investieren, in einem gemeinsamen Europa?
Angesichts so vieler offener Fragen bleibt dennoch die letzte, die entscheidende: Welches Unternehmen braucht Kapital aus einem solchen Fonds?
Damit an dieser Stelle überhaupt Nachfrage nach Kapital aus diesem Fonds entstehen kann, müsste das Darlehen günstiger als bei der eigenen Hausbank, bzw. der KfW zu erhalten sein. Die Verknüpfung zwischen Kreditleihe und Einmischung dürfte viele Unternehmen abschrecken, günstige Kreditzinsen bedürfen einer Reduktion der Anlageerwartung durch die Anteilseigner – die allerdings eher keinen Sinn darin sehe werden Ihrem Arbeitgeber zu einer Sparbuch Rentabilität Geld zu verschaffen.
Mag sein, dass der Autor das Konzept falsch verstanden hat, sollte dem nicht so sein, hätte Beck vielleicht besser eine andere Idee forcieren sollen um aus dem Umfragentief herauszufinden und Die Linke zu attackieren.

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