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Private Equity wird auf dem Sektor Technologie Unternehmen tätig

Halbleiter Hersteller, wie zum Beispiel die ehemalige Siemens Tochter Infineon gelten als schwieriges Anlageobjekt. Stark schwankende Nachfrage, Probleme bei Auslastung und vor allem zyklische Effekte bei Produktneuheiten lassen eine Anlage in diesem Bereich zu einem nicht immer unbedingt planbaren Investment werden. Die Margen sind moderat, das Risiko vergleichsweise hoch. Dennoch haben sich jetzt Private-Equity-Gesellschaften zusammengefunden um erstmals einen der größeren Player dieses Markts zu übernehmen. Das Ziel der Übernahme ist Freescale, ein weltweit agierender Konzern, der systemintegrierte Halbleiter für drahtlose und/oder Netzwerk-Anwendungen, wie sie beispielsweise in der Automobilindustrie, aber auch immer häufiger in Industrie- wie Konsumartikelherstellung / Produkten verwendet werden, herstellt. Überraschend für die Börse waren vor allem die Fakten, die zu dieser Übernahme bekannt geworden sind. So wird ein Großteil der Übernahmesumme von insgesamt 17,5 Mrd. US Dollar durch die Aufnahme von Fremdkapital finanziert, was einen deutlichen, zusätzlichen Kostenfaktor darstellt. Ebenso überraschend: Dieses Unternehmen ist kein Sanierungsfall, das Management wird als kompetent eingestuft, große Optimierungsmöglichkeiten hinsichtlich der Managementleistung dürften somit auch durch die externe Beratung der Private Equity Gesellschaften nicht zu erzielen sein. Was also könnten Gründe für diese Feescale Übernahme gewesen sein? Ein vergleichsweise geringer Cashflow bietet wenig Anreize zu einer Übernahme, anders sieht es bei den vorhandenen Cash Positionen aus – hier wird ein großes finanzielles Polster vermutet, welches als gutes Argument für die Übernahme dienen könnten. Wichtiger ist aber vermutlich die eher geringe Bewertung des kompletten Technologiesektors. Schwankende Rahmenbedingungen, eher geringe Aussichten auf Wachstum und moderater Cashflow lassen kein Anlegerherz höher schlagen. Die daraus resultierende niedrige Börsenbewertung und die unerwartete Übernahme in diesem Bereich erlaubten es den hier agierenden Private Equity Gesellschaften trotz allem einen vernünftigen Übernahmepreis zu erzielen. Interessant ist eine Betrachtung dieser Übernahme auch Sicht der Banken. Mit geschätzten 10 Mrd. Fremdkapital ist diese Übernahme aggressiv fremd finanziert. Es darf Finanzinstituten durchaus unterstellt werden, dass sie ihr Geld gerne inklusive Zinsen zurückerhalten. Die Risikobereitschaft ist gegenüber den Vorjahren also auch auf Bankenseite deutlich gestiegen.

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29. 09. 2006|Geschlossene Fonds|

Dem Wettbewerb auf den Zahn gefühlt – McZahn, legt einen Zahn zu

Deutschland 2006. Aus dem Land der Dichter und Denker ist das Land der Optimierer geworden. Gespart wird was das Zeug hält, allen Rufen der Markenartikler zum Trotz, die Kunden überlegen immer genauer für was sie ihr Geld ausgeben – auch wenn der GfK Konsumklima Index deutlich positiv ausgefallen ist. Neben Online-Apotheke DocMorris kommt jetzt auch ein zweiter medizinischer Bereich in den Genuss eines preiswerten Wettbewerbers. McZahn, wir unterstellen einfach mal, dass Ähnlichkeiten mit anderen Marken nur ein Produkt des Zufalls sind, ist angetreten den Zahnersatz ohne Zuzahlung des Patienten zu ermöglichen. Dazu sollen im kommenden Jahr auch in Hamburg erste Filialen eröffnet werden. Das Konzept scheint den Zahn der Zeit zu treffen, Unternehmensgründer Werner Brandenbusch berichtet, dass seine aktuell betriebenen McZahn Praxen bereits auf Monate ausgebucht seien. Kostengünstiger Zahnersatz, so sieht es die Zahnärztekammer Hamburg, ist keine neue Idee – chinesischer Zahnersatz wäre bereits seit geraumer Zeit auf dem deutschen Markt verfügbar hätten sich aber dennoch bisher nicht durchsetzen können. Dennoch hat ein Berufsstand bereits Bedenken geäußert. Deutsche Zahntechniker könnten die Verlierer eines Wettkampfes Zahn um Zahn werden, sollten sich immer mehr Deutsche für ein Produkt aus chinesischer Herstellung begeistern lassen. Ob es eine Lösung sein kann, zukünftig einen Zahn zuzulegen, oder sich McZahn die Zähne an Deutscher Zahntechnikerkunst ausbeißen wird, ist allerdings bisher ungeklärt. Erstaunlich ist allerdings das Ratenzahlungsangebot auf der McZahn Internetseite. Patienten, die keinerlei Zuzahlungen leisten sollen, würden einen solchen Service eigentlich nicht benötigen. Alle anderen schon gar nicht, betrachtet man die Kosten die für eine kreditfinanzierte Raten-Zahn-Zahlung anfallen. Mit einem Zinssatz von mindestens 9,9% ist dieses Angebot deutlich teurer als beispielsweise ein gewöhnlicher Ratenkredit, oder sogar so mancher Dispositionskredit. Wer auf die Nutzung dieses Angebots angewiesen ist, kann auch anderswo die Zähnezeigen. In der Summe, könnten dann ähnliche Kosten entstehen – auch ohne chinesisch günstige Alternative.

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28. 09. 2006|Nützliches|

Unter Strom; Aquila Capital bringt Strom Zertifikat auf den Markt

Neue Investmentprodukte sind fast an der Tagesordnung. Ob mit Garantie, oder ohne, als Zertifikat oder Investmentfonds verpackt Neuigkeiten sind an der Tagesordnung. Selten sind jedoch Produkte, die einen neuen Bereich für Investments erschließen. Viel zu oft finden sich hübsch verpackte aber altbekannte Strategien in neuem aber wenig innovativem Gewand. Warum? Nun, wir Anleger fordern zwar [...]

27. 09. 2006|Hedge-Fonds|

So kurz vor dem Winter und der Ölpreis fällt?

Es ist nicht grade Glück was der gemeine Autofahrer bei seinem Tankstellen Stopp angesichts des Benzinpreises empfindet. Ein wenig Erleichterung ist dem einen oder anderen Fahrzeuglenker aber durchaus anzusehen, was nicht an einem Zwischenstopp auf dem stillen Örtchen, sondern vielmehr den deutlich gesunkenen Preisen für Treibstoff liegen mag. Zeiten von 1,40 Euro je Liter Super [...]

26. 09. 2006|Fonds News|

Globalisierung der Politik – Hedge-Fonds werden G7 Thema

Weltweiter Austausch und Länder überschreitende Zusammenarbeit ist Unternehmenssache, so könnte man meinen, blickt man auf die oftmals bestehende Hilflosigkeit der Weltgemeinschaft. Ob Irak, Iran oder Libanon die Weltgemeinschaft ist gespalten. Zusammenarbeit ist dem politischen Kalkül unterworfen, welches nicht selten von starken wirtschaftlichen Interessensgruppen forciert wird.

Um so erstaunlicher ist es nicht nur, dass jetzt der Gedankenaustausch auf politischer Ebene zu einem Wirtschaftsthema geplant ist – es scheint sich sogar im Mutterland des Kapitalismus, der USA, die Meinung zu bilden, dass es so nicht funktioniert. Folgerichtig gab sich Bundesfinanzminister Steinbrück erstaunt, als die USA signalisierten, dass die Beaufsichtigung von Hedge-Fonds durchaus ein Thema für die Agenda des G7 Treffens sei.

Hedge-Fonds und ihre Manager dürfen sich geadelt fühlen. Existierten Ihre Produkte bislang eher in der Wahrnehmung von Groß- und Institutionellen-Anlegern, so dürfte sich jetzt die politische PR Maschine aktivieren lassen. Rahmenbedingungen und Kontrollmechanismen sollen das Treiben der umtriebigen Hedge-Fonds künftig reglementieren. Betrachtet man die Dauer, die zu einer internationalen Regelung in der Regel notwendig ist, so werden in London, Sitz einer Vielzahl von Hedge-Fonds sicherlich die Korken knallen. Kostenlose PR und öffentliche Diskussionen – auch wenn sie nicht immer positiv sind, sind gut fürs Geschäft, diese Erkenntnis hat sich spätestens seit Dieter Bohlen auch in Deutschland durchgesetzt.

Wer aber sind die bösen Buben? Wo findet man sie und vor allem wie können Regelungen aussehen, das Geschäft zu überwachen und dennoch nicht die komplette Branche, welche durchaus eine wirtschaftspolitische Berechtigung besitzt, zu zerstören? Ob sich auch nur eine dieser Fragen im Rahmen eines G7 Gipfels halbwegs beantworten lässt ist schwer zu beantworten, positiv darf aber sicherlich das allgemeine politische Interesse an einer Reglementierung gesehen werden. Dort, wo sich der Markt nicht selbst regulieren kann, weil einige Player zu stark geworden sind, ist staatliche Einflussnahme – für eine Übergangsphase, die nur der Marktneuordnung dient - durchaus wünschenswert.

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22. 09. 2006|Fonds News|

Thailand – kaufen, halten oder: Wie positiv kann ein Putsch sein?

Die politische Lage in Thailand scheint mehr als angespannt. Während Premier Minister Thaksin Shinawatra bei den Vereinten Nationen in New York verweilt – einem durchaus auch nicht ganz harmlosen Treffen betrachtet man die Beschimpfungen von Venezuelas Präsident Hugo Chavez gegenüber George Bush ("Teufel höchstpersönlich") – übernimmt zu Hause das Militär das Regiment. Was zunächst bedrohlich wirkt, hat aber schon fast Tradition, bereits zum 18-ten Male übernimmt das Militär die Herrschaft in Thailand, auch wenn dies zuletzt 1991 vorgefallen war, so scheint die Situation diesmal entspannt. So wurde keine Reisewarnung an baldige Thailand Urlauber ausgegeben. Der Anführer des Militär Putsches, Sonthi Boonyaratglin, verkündet direkt in seinem ersten Statement: Das Volk soll die Macht binnen der nächsten 14 Tage zurückbekommen - bis dahin wird aufgeräumt. Was wie eine Entschuldigung direkt zum Antritt klingt wird auch in Wirtschaftskreisen nicht unbedingt als schädlich für Land und Region angesehen. In einer Nachricht von HSBC Investments wird das Einschreiten des Militärs sogar als erster Schritt zu einem „Neuanfang“ deklariert. Nach einer Reihe von Korruptionsfällen auf höchster Regierungsebene, kurzfristig anberaumten Neuwahlen, die mangels einer streikenden Opposition die bisherige Führung des Landes bestätigten und anderen politischen Unebenheiten steckte Thailand in einer kaum zu durchbrechenden Misere. Wirtschaftliche und politische Lethargie hatte sich über das Land und die Wirtschaft ausgebreitet, obwohl die Tsunami Schäden noch lange nicht beseitigt, das Unglück noch lange nicht vergessen ist. Das Eingreifen des Militärs wirkt daher eventuell wie ein Weckruf. Sollte es tatsächlich gelingen die thailändische Demokratie binnen der nächsten Tage wieder zu erwecken und die politische Führung, die sich nachweislich in einem Sumpf der Korruption befindet von Ihren Ämter dauerhaft zu entbinden, so besteht Hoffnung für ein schnelles wirtschaftliches Wiedererstarken des Landes. Mutige können sich an einem der reinen Thailand Fonds versuchen – mit Fidelity Funds - Thailand Fund A (ISIN LU0048621477) und Templeton Thailand Fund Class A (ISIN LU0078275988) führen zwei der großen Fondsgesellschaften die 3-Jahres Performance Liste an. Beide Fonds hatten bereits seit etwa 3 Monaten eine leicht ansteigende Performance zu verzeichnen. Sollte der wirtschaftliche Umschwung von Stopp zu Fahrt gelingen, ist ein kleines Investment in diesem Land vielleicht tatsächliche eine spekulative Alternative.

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21. 09. 2006|Fonds News|

Welche Zukunft erfährt Private Equity?

Unterschiedlicher könnten die Meinungen kaum sein. Während gestern Javier Loizaga, Präsident des europäischen Beteiligungsverbands EVCA mit einem deutlich positiven Statement zu Private Equity „kein Limit für Wachstum“ den Weg in die Wirtschaftspresse schaffte, darf der geneigte Leser heute bei Reuters „Experten erwarten Zunahme fauler Kredite durch Private Equity“ lesen. Loizaga ist als Präsident des Beteiligungsverbandes ein Lobbyist. Als solcher darf ihm sicherlich eine gewisse Voreingenommenheit unterstellt werden. Welche Experten sind es, die mehr oder weniger zeitgleich eine solch konträre Meinung vertreten? Erstaunlicherweise kommt die kritische Nachricht aus einer ähnlichen Umgebung, nämlich von Roman Zeller, Geschäftsführer Deutschland von AlixPartners. AlixPartners gehört nach eigenen Angaben international zu den Experten für Turnarounds und Ertragssteigerungsprogramme, was vom Grundprinzip einen ähnlichen Mehrwert für Geldgeber bedeutet wie das Private Equity Geschäft selbst. Als problematisch sieht Zeller die steigenden Investitionssummern, welche von Private Equity Gesellschaften aufgebracht werden und häufig in größerem Umfang über Fremdkapital gedeckt werden. Dieses Fremdkapital vor allem durch langfristige Kredite und Anleihen am Markt eingeworben, birgt immer das Risiko eines Zahlungsausfalls für den Fall, dass sich die von den Private Equity Gesellschaften übernommenen Unternehmen nicht wie gewünscht positiv entwickeln, oder den übernommenen Unternehmen gar Kunden oder Geschäftspartner verloren gehen, die für den Unternehmenserfolg maßgeblich sind. Vor diesem Hintergrund rechnet Zeller für die kommenden beiden Jahre mit einem Volumen von bis zu 30 Milliarden Euro an Distressed Depts, also Krediten, welche nicht in vollem Umfang bedient werden können. Welche dieser Einschätzungen näher an der Realität ist, wird nur die Zukunft zeigen können – steigende Kosten für Zinsen werden Optimierungsbedarf innerhalb der von Private Equity Gesellschaften übernommenen Unternehmen sicherlich verschärfen, wie weit sich hier weitere Einsparungspotentiale ergeben können bleibt abzuwarten. Anleger in diesem Bereich sollten sich bewusst sein, dass es sich hier um Risikokapital handelt, welches trotz sehr guter Erfolge in der Vergangenheit nicht zu gesicherten Einkünften in der Zukunft führen muss. Der positive Ausblick der Branche ist dennoch nicht ganz unbegründet, große Übernahmekandidaten gibt es nach wie vor – nicht zuletzt die Deutsche Telekom wird immer mal wieder in solchen Szenarien als potentieller Kandidat gehandelt. Nicht erst seit dem Einstieg der Private Equity Gesellschaft Blackstone Group.

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14. 09. 2006|Fonds News|

TÜV Süd etabliert neues Qualitätssiegel: TÜV-Süd-geprüfter Fonds-Spezialist

Wer bisher der Meinung war, dass eine TÜV Prüfung eher eine Angelegenheit von Autofahrern und deren Karossen ist, sieht sich jetzt mit dem Gegenteil konfrontiert. Unter dem Dach der TÜV Süd Akademie, die sich selbst als unabhängige und neutrale Institution positioniert, welche mit Dienstleistungen wirtschaftlichen Mehrwert schaffen will, ist jetzt ein Weiterbildungsprogramm der Fintac GmbH etabliert worden.Ein TÜV Siegel erhalten Fonds-Verkäufer, erst dann, wenn Sie nach einer Selbstlern- und Präsenzphase die abschließende Prüfung mit Erfolg abgeschlossen haben.Als Inhalte der Ausbildung zum TÜV Süd geprüften Fonds-Verkäufer werden verschiedene für Investmentfonds relevante Themengebiete genannt, die der Berater entsprechend zu verinnerlichen hat. Für die Zulassung zu dieser Weiterbildung ist der Nachweis einer absolvierten Ausbildung oder eines abgeschlossenen Studiums notwendig. Wer für sich einen dauerhaften Mehrwert durch diese TÜV Zertifizierung erhalten möchte muss alle 3 Jahre eine erneute Qualifikation erwerben und darf nur dann diesen Titel weiterhin führen. Dass diese Regelung sinnvoll ist, ist unstrittig – wer sich jetzt wieder an TÜV und Autos erinnert fühlt, darf hier mit gutem Gewissen schmunzeln.

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13. 09. 2006|Aus der Wirtschaft|

Invasion der Heuschrecken. Werner G. Seifert – Rache eines Gescheiterten – oder Wahrheit zum Nachfühlen?

Nur wenige Kämpfe in den Spitzen der Deutschen Wirtschaft hatten und haben immer noch eine solche Tragweite wie die Auseinandersetzung um die Deutsche Börse im Jahr 2005. Vorstandssprecher Werner Seifert wollte gerne die London Stock Exchange übernehmen, seine Anteilseigner, allen voran Investmentfonds und Hedge-Fonds wie der Britische TCI Fund sahen das anders und setzen sich [...]

11. 09. 2006|Gedruckte Informationen|

Entscheidung des Schweizer Bundesgericht: Einbehalten von Vermittlungsgebühren bei Fonds wird untersagt

Geldanlage in der Schweiz ist Vertrauenssache. Wie nur wenige Länder ist es den Schweizern gelungen sich einen guten Ruf in der Finanzwirtschaft zu erarbeiten und diesen über Jahrzehnte zu erhalten. Zuverlässigkeit, Verschwiegenheit und Neutralität, sind die Faktoren, die es Ausländern ermöglicht guten Gewissens Ihr Vermögen zwischen den Alpen zu lassen. Umso heftiger wird jetzt die Entscheidung des Schweizer Bundesgericht empfunden. Die gängige Praxis vieler Vermögensverwalter Gebühren und Boni der Fondsgesellschaften als Teil Ihres Entgelts zu betrachten wurde jetzt per Gerichtsbeschluss als nicht statthaft erkannt. Ausnahme: Die Vermögensverwalter haben ihre Kunden "vollständig und wahrheitsgetreu" über die Provisionslage aufgeklärt und diese haben auf eine Weitergabe der Provisionen verzichtet. Schlimmer noch als die vermutlich in Zukunft sinkenden Deckungsbeiträge vieler Vermögensberater sind die nun möglichen Regressforderungen vieler Kunden – und die mögliche Strafverfolgung durch den Staat. Das hier nicht nur theoretische Möglichkeiten bestehen Vermögensverwalter zur Rechenschaft zu ziehen beweist ein durch das selbe Gericht ergangenes Urteil bei dem ein schweizer Vermögensverwalter wegen „gewerbsmäßigen Betrugs“ zu 18 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt wurde, weil er seine Kunden nicht über die Provisionslage aufklärte und die erzielten Provisionen als zusätzliche Vergütung eigenen Zwecken zuführte. Der Finanzbranche der Schweiz wird nach Einschätzungen von Branchenkennern hier ein größerer Umbruch bevorstehen, der vor allem mehr Transparenz gegenüber dem Kunden bedeuten sollte – sei denn es finden sich andere Mittel und Wege der Provisionierung für Vermögensverwalter. Kann so etwas auch in Deutschland passieren? Ohne hier groß auf die Rechtslage einzugehen, wäre es sicherlich sinnvoll auch Deutschen Anlegern einen Einblick auf die Kosten und Provisionsstruktur zu geben. Vielfach erscheint auch hier Anlegern der Ausgabeaufschlag als eine Naturgewalt, welche es eben zu übernehmen gilt. Dabei perfektionieren immer mehr Finanzanbieter ihre vertikale Vermarktungsstruktur – da investieren Anleger bei Ihrer Hausbank in Dach-Fonds Produkte der Hausbank eigenen Fondsgesellschaft, der Dach-Fonds hält vorwiegend Zielfonds der gleichen Fondsgesellschaft, diese investiert in ETFs und Zertifikate der Hausbank und Fondsgesellschaft. Was für Kunden innovativ klingt ist ein durchdachtes Konzept, welches bei jeder neuen Investitions-Stufe eine Management Gebühr für die Hausbank und deren Fondsgesellschaft erbringt. Die Dreistigkeit für diese einseitige auf den eigenen Geschäftserfolg ausgerichtete Beratung auch noch bis zu 6 Prozent Ausgabeaufschlag als Beratungsgebühr zu erheben und Kunden Depots in regelmäßigen Abständen umzuschichten ist eine Kunst, die nur deutsche Anleger so klaglos hinnehmen. Trotzdem: Alles kein Grund für Schweiz Reisen. Denn dort geht es Anlegern auch nicht besser – noch nicht.

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11. 09. 2006|Aus der Wirtschaft|
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